70 Jahre NVA und 11.MSD
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
„Hochwasser - Soldaten im Einsatz“ Werner Rammelt war dabei
Im Juli 1964 gab es mal einen tagelang en sehr starken Niederschlag. Jedenfalls führte darauf hin die Saale und Unstrut sehr schnell starkes Hochwasser. Das kleine Dorf Planena, ein kleiner Ortsteil südlich von Ammendorf in der Saale-Elster-Aue, liegt direkt in einer großen Schleife der Saale und wurde durch das Hochwasser in kurzer Zeit völlig von aller Zufahrt abgeschnitten. Eine Versorgung des Rinder- und Schweinebestandes war verhindert, weil die auf einer leichten Anhöhe befindlichen Stallungen nicht mehr durch die LPG-Angehörigen erreicht werden konnten. Dutch die LPG-Leitung wurde der Notstand ausgerufen und die Stadt Halle um Hilfe gebeten. Die wandte sich wiederum an die Nationale Volksarmee. Durch den Divisionskommandeur wurde der Befehl erteilt, geländegängige Panzer- und Rädertechnik einzusetzen um den Viehbestand der LPG Planena zu retten und zu bergen. Mir wurden alarmmäßig ein Bergepanzer, 1 Gefechtspanzer, 1 schwerer Werkstatt- wagen mit Besatzungen
70 Jahre Gründung der NVA und der 11.MSD Erinnerungen und Gedanken aus 35 Jahren Kampf für Frieden zurück 1964 weiter
zugeordnet und befohlen, an Ort und Stelle das Notwendige aufzuklären und zu veranlassen. Unterstützt von Verkehrspolizei mit Blaulicht bewegte sich unsere kleine Militärkolonne Richtung Ammendorf und Buna, um dieser LPG zu Hilfe zu kommen. Unsere beiden Panzerfahrzeuge hatten eine zulässige Wat-Tiefe von 1,3 m. Die vorgefundene Überflutungssituation gestattete gerade noch deren Einsatz. Zwei Viehtransportanhänger der LPG wurden mittels Stahlseilen an die Panzer gehängt. Vorn auf den Panzern wurde ein LPG-Angehöriger gesetzt, der den Fahrern den genauen Verlauf der Straße weisen konnte. Wir kannten uns ja nicht aus, durften aber keinesfalls von der festen aber überfluteten Straße abkommen. Auf dem Weg
zwischen den Stallungen der durch die Flut eingeschlossenen Tiere und der normalen, noch trockenen Lage des kleinen Dorfes, gab es eine vielleicht 100 m lange Strecke, die ca. 10 cm tiefer lag. Ich besprach mit den Panzerfahrern, wie diese, unsere zulässige Wattiefe gefährdende Stelle, gemeistert werden konnte. Wenn wir in größerem Abstand fahren und auf dieser kurzen Entfernung die Geschwindigkeit erhöhen, wird durch die höhere Welle am Bug des Panzers ein mindestens 10 cm niedrigere kurze Wasserwelle am Heck erreicht. Nur dort, am hinteren Heckraum des Panzers ist die gefährdetste Wasser-Eindringstelle. Wir riskierten diese Fahrweise und haben gewonnen. An den Hängern war uns der Wasserstand egal. Den Rindern auf den Hängern stand das Wasser bei der Durchfahrt eh nur knapp bis zum Bauch und den mitfahrenden Tierpflegern der LPG auch nicht höher. Die Überlebenschance beim Transport der Schweine ergab sich von selbst. Als die Tiere auf dem Hänger merkten dass das Wasser für sie bedrohlich hoch stieg, stellten sie sich vor Angst auf die Hinterbeine und hielten sich mit den Vorderklauen an den Unebenheiten der Hänger innen fest. Das reichte für die wenigen Minuten des gefährlichen Transports durch die Fluten. So an die 15 Fahrten mussten unsere Genossen machen, damit der Tierbestand auf trockenes sicheres Land kam. Die LPG-Angehörigen dankten uns überschwänglich für diese Rettungsaktion und überschütteten die Soldaten mit Wurst, Schinken und Eiern aus ihrer Wirtschaft. Eine Aktion, die mir gut in Erinnerung blieb. Am Folgetag wurde darüber sogar in unserer Bezirks- Tageszeitung „Freiheit“ berichtet und der NVA gedankt.
am 27.04.2026