70 Jahre NVA und 11.MSD
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
„Wie ich Adjudant wurde …“ erinnert sich Oberst a.D., Joachim Kampe
Das Jahr 1973, das Studium an der Militärakademie der Nachrichtentruppen in Leningrad geht im Juni erfolgreich zu Ende, die Familie bereitet den Rückzug nach Halle/S vor. Vor der Rückreise war der künftige Einsatzort und die einzunehmende Dienststellung bekannt, das Nachrichtenbataillon 11, wo meine militärische Laufbahn begann, in der ich bisher in allen Dienststellungen diente und nun die Herausforderung als Stabschef des Bataillons vor mir stand. Auf mich wartete eine interessante, vielseitige und verantwortungsvolle Aufgabe,
70 Jahre Gründung der NVA und der 11.MSD Erinnerungen und Gedanken aus 35 Jahren Kampf für Frieden zurück 1974 weiter
der ich mich vom ersten Tage an widmen wollte. Die Organisation von Nachrichtenverbindungen der 11. MSD in einer Angriffs- oder Verteidigungsoperation gehörten zu meinen operativen Hauptaufgaben. Während des Studiums habe ich das gelernt, ja sogar noch eine Stufe höher, der Organisation von Nachrichtenverbindungen in einer Armee. Es galt, die neuesten Erkenntnisse aus der Nachrichtentaktik der Streitkräfte der UdSSR und aus der technischen Entwicklung des Nachrichtenwesens in die Funktion einzubringen. Dazu bedurfte es der Zeit und Möglichkeiten. Ich sollte diese in Halle nicht haben. Nur wenige Monate nach dem Dienstbeginn in Halle/ S, im Dezember 1973 traf mich wie aus heiterem Himmel der „Blitz“, die Konfrontation mit dem Gedanken an eine Dienststellung als Adjutant des Ministers. Ohne Wissen um den Grund wurde ich Mitte des Monats zum Stabschef der 11. Motorisierten Schützendivision, Oberst Hans-Werner Deim befohlen, der mir eröffnete, neben weiteren Offizieren, als Adjutant des Ministers in Frage zu kommen. Mir hat es die Sprache verschlagen, konnte mich erst nach Minuten fassen. Warum ich in der Auswahl, eine Ehre, dem Minister zu dienen. Einen Zusammenhang mit einem Treffen des Ministers während einer Volks- kammertagung der DDR im Jahre 1967, die ich als Kompaniechef mit einigen meiner Soldaten und Unteroffiziere besuchen konnte, schloss ich aus. Weder der Stabschef der 11. MSD, noch weniger ich konnte
mir die Frage beantworten, warum ausgerechnet ich für diese Funktion in Frage kommen sollte. Meine Bereitschaftserklärung war gefordert. Viel Zeit für eine Entscheidung blieb nicht. Ich war gern Soldat im Truppendienst, die Arbeit mit den Menschen forderte mich und machte Spaß. Die Organisation der Nachrichtenverbindungen, der Umgang mit der Nachrichtentechnik, ihr Einsatz unter den verschiedensten Bedingungen und der Kampf um die Herstellung von befohlenen Nachrichtenverbindungen reizten mich. Es blieb nicht aus, das ich mich auch mal selbst an die Geräte setzte, das Rauschen im Nachrichtenkanal hörte und den Empfänger auf die Zeichen der Gegenstellen absuchte. Es machte mir Spaß, jungen Armeeangehörigen Wissen und Erfahrungen zu vermitteln. Weniger angenehm waren die vielen Truppen- und Stabsübungen
1975 Begrüßung durch Verteidigungsminister Gretschko in Moskau
der Division, die immer auch den Einsatz des Nachrichtenbataillons zur Folge hatten. An unzähligen solcher Übungen hatte ich im Nachrichtenbataillon 11 schon vor meinem Studium und auch danach teilgenommen. Viele Tage im Monat im „Busch“, fehlende Bequemlichkeit, fern von der Familie. Das hinterließ natürlich auch Spuren, da stellte ich mir eine Tätigkeit im Stabsdienst des Ministeriums gar nicht so schlecht vor. Eine Veränderung schien möglich, es war eine Chance. Meine Frau machte es mir relativ leicht, sah meine Entwicklung vordergründig und stimmte zu. Zweifelsohne sah ich auch Vorteile für eine perspektivische Entwicklung. Die Praxis hat es bestätigt, meine spätere Entwicklung wäre anders verlaufen. Nach langen und reiflichen Überlegungen erklärte ich meine Bereitschaft zur Anforderung als Adjutant. Welche Aufgaben mich im Einzelnen erwarten sollten, wusste ich nicht, keiner vermochte mir das zu sagen. Für diese Dienststellung sah die Innendienstvorschrift der NVA, die DV 010/0/003, keine Dienstpflichten vor.
Pressetoto NVA 1974/ Besuch in der 3. Raketenbrigade der NVA in Tautenhain