70 Jahre NVA und 11.MSD
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
„Feuer - Treffer“ Erinnerungen an mein erstes Gefechtsschießen mit Raketen, von Oberst a.D., Frank Bruchmüller
Die taktische Übung Leitwerk I/80 war das erste Gefechtsschießen des FRR-11 auf dem sowjetischen Staatspolygon in Aschulug und diente zugleich als Erprobungsschießen mit dem Fla-Raketen- Komplex 2K12 „Kub“. Die Zulassung zum Gefechtsschießen erfolgte vom 12.06.-02.07.1980 im Feldlager Lieberose. Schwerpunkt bildete dabei das Führen von Luftzielen. Nach der Rückverlegung verblieb das Regiment nur eine Woche am Standort und begann am 08.07.80 mit der Eisenbahnverlegung nach Aschulug. Die Verlegung über eine Distanz von ca. 3.200 km erfolgte in 3 Transporten.
70 Jahre Gründung der NVA und der 11.MSD Erinnerungen und Gedanken aus 35 Jahren Kampf für Frieden zurück 1980 weiter
Datum:24. Juli 1980 Ort:Aschulug, Stellungen Wolga13 bis 20 Leiter der Übung: K-11.MSD, Generalmajor. Zeh Schießender FRR: K-FRR-11: Oberst Bruchmüller
In der Chronik des Fla-Raketenregiments 11 befindet sich der Bericht des damaligen Regimentskommandeurs Oberst Bruchmüller über das erste  Gefechtsschießen mit Fla-Raketen des Regiments. Dieser Bericht ist vor allem für alle diejenigen gut nachzuvollziehen, die selbst am Gefechtsschießen in Aschulug teilnahmen. Wir befinden uns auf einem sowjetischen Staatspolygon. Mitten in von der Sonne verbrannter Steppe. Über 40°C im Schatten (soweit wir uns welchen geschaffen haben). Wochen intensiver Ausbildung liegen hinter uns, um die neue Kampftechnik zu beherrschen. Immer mehr verspürten wir, wie doch solch eine Kollektivwaffe gerade vom Können des Einzelnen abhängt.
BC 1. FRBttr.: OLtn. Mecklenburg BC 2. FRBttr.: OLtn. Kunze BC 3. FRBttr.: OLtn. Krämer BC 4. FRBttr. OLtn. Pietsch BC FüBttr.: Hptm. Oelmann BC TBttr. Oltn. Beiler
Überprüfungen haben wir mehrere gemeistert. Aber was jetzt uns bevor steht ist echte Bewährung und erstmalige Bestätigung der Fähigkeit, die Gefechtsmöglichkeiten der neuen Kampftechnik in der Praxis wirksam werden zu lassen. Obwohl ich wusste, daß durch vielseitige Maßnahmen, Aktivitäten und Initiativen der Personalbestand gut auf das erste Gefechtsschießen vorbereitet war, durchdachte ich nochmals viele Varianten, die es geben könnte, um erfolgreich die bevorstehenden Aufgaben zu meistern. Der Zeitpunkt des ersten Starts war mir bekannt und rückte immer näher. Dementsprechend nahm die Anspannung zu. Ringsum ist noch geschäftiges Treiben. Die Verbindung steht noch nicht so wie es notwendig ist. Nervosität schleicht sich ein. Die Zeit läuft davon. Von vielen Seiten werden Hinweise und Ratschläge gegeben. Wolodja, unser sowjetischer Militärspezialist rät mir, eine schattige Stelle zu suchen, wo ich mir nochmals ungestört die Aufgabe klarmachen kann. Viele Fragen gehen mir durch den Kopf. Haben wir wirklich alles getan, um heute die erste Rakete zu starten und das Luftziel zu vernichten, dem Personal das notwendige Selbstvertrauen zu geben, daß es in der Lage ist, mit der neuen Kampftechnik jeden Luftgegner mit hoher Vernichtungswahrscheinlichkeit zu bekämpfen ? Bin ich persönlich Herr der Lage und nervenstark genug, mich voll zu konzentrieren? Ich denke doch! Plötzlich das erwartete Signal. Ich nehme meinen Platz in der Feuerleitkabine ein, rundherum bedrängt durch Kontrolloffiziere. Voll auf das Sichtgerät konzentriert, beurteile ich die Luftlage.